40 Jahre Zwentendorf: Wo steht Atomenergie heute? | Österreichische Energieagentur

Die Hälfte der EU-Staaten setzt auf Kernkraft, EU-weit knapp ein Viertel Atomstrom

Vier Jahrzehnte später ist das Thema Energie wieder ganz oben auf der Agenda. Diesmal geht es um unser Klima und es braucht einen massiven Wandel, wenn wir die spürbaren Änderungen eindämmen wollen. So wie Atomenergie in Österreich seit 40 Jahren ein ‚No Go‘ ist, so sollte das auch in Zukunft für fossile Energie gelten – wissend, dass das ein langer und schwieriger Weg ist

Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur

Österreich ist bei der ökologischen Erzeugung von Strom international ein Vorbild: Schon jetzt werden über 70 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt, bis 2030 sollen 100 Prozent erreicht werden. Das ist ein Wandel, der noch viel stärker ist als der Umbau des Energiesystems nach dem österreichischen Nein zur Atomkraft

Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus

Atomkraft ist keine Alternative, sondern Teil des Problems. Nur der Umstieg auf erneuerbare Energieträger kann die Zukunft sein, daher sollte auf europäischer Ebene auch Schluss sein mit finanzieller Unterstützung von Atomkraft durch die öffentliche Hand. Diesen Standpunkt werden wir auf europäischer Ebene auch weiterhin vertreten

Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus

Vor 40 Jahren haben die Österreicherinnen und Österreicher mit knappen 50,47 Prozent in einer Volksabstimmung die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf abgelehnt und damit Geschichte geschrieben

Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur

Wien (OTS)

•    455 Atomkraftwerke erzeugen rund 10 % des weltweiten Stroms
•    Derzeit 59 Atomkraftwerke in Bau, mehr als die Hälfte davon in China, Indien und Russland

 “Vor 40 Jahren haben die Österreicherinnen und Österreicher mit knappen 50,47 Prozent in einer Volksabstimmung die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf abgelehnt und damit Geschichte geschrieben“, erinnert Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, an das historische Jubiläum am 5. November 2018. Seitdem haben die Entwicklungen das Ergebnis bestätigt. Heute bestehe ein breiter gesellschaftlicher und politischer Konsens in Österreich darüber, dass Kernenergienutzung keine nachhaltige, sichere und zukunftsfähige Art der Stromerzeugung darstellt. „Vier Jahrzehnte später ist das Thema Energie wieder ganz oben auf der Agenda. Diesmal geht es um unser Klima und es braucht einen massiven Wandel, wenn wir die spürbaren Änderungen eindämmen wollen. So wie Atomenergie in Österreich seit 40 Jahren ein ‚No Go‘ ist, so sollte das auch in Zukunft für fossile Energie gelten – wissend, dass das ein langer und schwieriger Weg ist“, skizziert Traupmann die Zukunft. Die Herausforderungen auf diesem Weg in eine fossilfreie Energiezukunft sind beträchtlich. Das zeigt das Beispiel Strom: Laut der der Klima- und Energiestrategie #mission2030 soll im Jahr 2030 in Österreich mindestens gleich viel Strom aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt werden, wie insgesamt verbraucht wird. Um die dann benötigten 88 TWh aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, muss etwa der Anteil von Wind und Photovoltaik von heute 12 Prozent (6,1 TWh) auf 42 Prozent (36,7 TWh) gesteigert werden.
„Österreich ist bei der ökologischen Erzeugung von Strom international ein Vorbild: Schon jetzt werden über 70 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt, bis 2030 sollen 100 Prozent erreicht werden. Das ist ein Wandel, der noch viel stärker ist als der Umbau des Energiesystems nach dem österreichischen Nein zur Atomkraft“, sagt Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus. Kernkraft dürfe ihr zufolge bei der Dekarbonisierung in Europa keine Rolle spielen. Neben dem Sicherheitsaspekt gehe es dabei vor allem auch um Chancengleichheit für erneuerbare Energieproduktion und Kostenwahrheit bei Energieerzeugung aus fossilen Trägern und Atomkraft. „Atomkraft ist keine Alternative, sondern Teil des Problems. Nur der Umstieg auf erneuerbare Energieträger kann die Zukunft sein, daher sollte auf europäischer Ebene auch Schluss sein mit finanzieller Unterstützung von Atomkraft durch die öffentliche Hand. Diesen Standpunkt werden wir auf europäischer Ebene auch weiterhin vertreten“, betont Köstinger.

Zwentendorf und die Entwicklung der Kernkraft in Europa

In den 50iger Jahren hatte der Vorsitzende der U.S. Atomic Energy Commission, Lewis L. Strauss, noch angenommen, dass Atomstromproduktion „too cheap to meter“   also „zu günstig, um sie überhaupt zu messen und zu verrechnen“ – sein werde. Es wurden große Hoffnungen in diese Technologie gesetzt. Auch Österreich wollte den „Eintritt in das Zeitalter der Kernenergie“ schaffen (so ein damaliger Werbefilm). Der Bau des Atomkraftwerks Zwentendorf wurde 1972 begonnen, die Kosten wurden damals (umgerechnet) mit rund 500 Millionen Euro beziffert. In der Energieplanung der 1970iger Jahre waren in Summe drei Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 3.300 MW vorgesehen, die nach dem Nein der Österreicherinnen und Österreicher zur Atomkraft nie realisiert wurden. In elf der heutigen Mitgliedstaaten der EU-28 wurden bereits damals AKWs betrieben: Belgien, Bulgarien, Deutschland (damals noch knapp vor Frankreich), Spanien, Frankreich, Niederlande, in der damaligen Tschechoslowakei, Italien, Finnland, Schweden und UK. Die Erzeugung betrug allerdings nur etwa 20 Prozent der Produktion des Jahres 2016, damit konnten neun Prozent des Stromverbrauchs gedeckt werden.

Seit 1987 erzeugt Italien keinen Atomstrom mehr. In den 1980er Jahren wurden aber weitere Anlagen in Litauen, Tschechien, Slowenien und Ungarn errichtet. 1996 wurde in Cernavodă (Rumänien) ein neues AKW in Betrieb genommen, 1998 das Kernkraftwerk Mochovce (Slowakei) und 2002 Temelin (Tschechien). Damit betreiben heute 14 der 28 EU-Mitgliedstaaten Kernkraftwerke.

Atomenergie weltweit: 10 Prozent des Stroms

Im Jahr 2017 machte Atomenergie laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) rund 10 Prozent der gesamten Stromerzeugung weltweit aus. Derzeit sind 455 Atomreaktoren mit etwa 400 GW Kapazität im Netz. In Nord-, West- und Südeuropa könnte die Produktionskapazität bis 2030 um bis zu 30 Prozent sinken, so die IAEA. In Osteuropa dürfte die Kapazität in den kommenden zwei Jahrzehnten hingegen gleich bleiben oder sogar um bis zu 30 Prozent steigen.
Laut dem aktuellen „Renewables 2018 Global Status Report“ (GSR 2018) beträgt der Anteil von Nuklear-energie am gesamten weltweiten Energieverbrauch 2,2 Prozent, fossile Energien machen ganze 79,5 Prozent aus.

Ein Viertel Atomstrom in Europa, Platz zwei hinter Erneuerbaren
Der Anteil von Atomstrom im Strommix der EU-28 lag im Jahr 2016 bei 26 Prozent, das bedeutete Platz Zwei hinter den Erneuerbaren mit 30 Prozent. Auf Kohle entfielen 22 Prozent, auf Gas 19 Prozent und auf andere fossile Energieträger 3 Prozent. Im Jahr 2014 wurde in der EU-28 erstmals mehr Strom aus Erneuerbaren als aus Kernenergie erzeugt.

Auf Frankreich entfielen im Jahr 2016 48 Prozent (403 TWh) der EU-Stromerzeugung aus Kernkraft-werken, gefolgt von Deutschland (10 Prozent), UK (8,5 Prozent), Schweden (7,5 Prozent) und Spanien (7 Prozent). Diese fünf Länder kommen zusammen auf 81 Prozent der AKW-Erzeugung.

Zwischen 1990 und 2004 stieg die EU-Stromerzeugung aus AKWs um 27 Prozent, danach fiel sie bis 2016 um 17 Prozent. Hauptverantwortlich dafür waren die Schließung des litauischen AKW Ignalina im Jahr 2009 sowie der Atomausstieg Deutschlands, der bis 2022 abgeschlossen sein soll. 

Weitere Details sowie das Fazit für Europa „too costly to matter“ finden sich im gesamten Pressetext auf der Webseite der Österreichischen Energieagentur.

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Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
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