Stadtakademie-Diskussion: „Zwischen Kitsch und Kultur – Welche Geschichte schreiben wir?“

Podiumsdiskussion mit LPO BM Gernot Blümel, Vienna Design Week-Direktorin Lilli Hollein, Wien Tourismus CEO Norbert Kettner und dem Intendanten des Konzerthaus Wien Matthias Naske

Wien (OTS) Zum Thema „Zwischen Kitsch und Kultur – Welche Geschichte schreiben wir?“ diskutierten gestern Abend auf Einladung der Stadtakademie Landesparteiobmann Bundesminister Gernot Blümel, die Direktorin der Vienna Design Week Lilli Hollein, der Wien Tourismus CEO Norbert Kettner und der Intendant des Konzerthauses Wien Matthias Naske im Odeon Theater. Kultur habe viel mit dem Alltagsleben der Menschen zu tun, erklärte dabei der Präsident der Stadtakademie Bezirksvorsteher Markus Figl im Rahmen seiner Begrüßungsworte und erklärte: „Es braucht definitiv mehr Kultur in der Politik, aber weniger Politik in der Kultur.“ Bundesminister Blümel umriss in seinem Eingangsstatement die Begriffe Kitsch, Kultur und Geschichte. Alle drei Begriffe seien letztendlich Produkte des Menschen bzw. im Falle der Geschichte die Summe dessen, was von Menschen getan wurde. In diesem Sinne könne auch Kitsch als Kultur bezeichnet werden, die „Übertreibung des Schönen oder des Zumutbaren“, so Blümel.

„Kitsch kann auch die Verneigung vor dem Original sein“, so Norbert Kettner. Zwar seien die unzähligen Klimt-Poster Kitsch, aber auch eine Verneigung vor dem Original. Österreich und Wien gelten international als Kulturnation, Kulturstadt, wenn nicht sogar als „Kulturtitanen“, so Kettner. Dennoch müsse man jetzt am kulturellen Erbe von morgen arbeiten, anstatt sich nur darauf auszuruhen. „Ohne Tradition kommen wir nicht aus, ohne Zeitgenössisches aber auch nicht.“ Wien profitiere von seiner Geschichte, aber auch von den brillanten Gegebenheiten der Stadt, dem Wissen, dem Handwerk sowie der Offenheit, die Wien auszeichne, konstatierte Lilli Hollein. „Wien kann so wieder eine Ideenschmiede werden.“ Der Intendant des Konzerthauses Wien Matthias Naske stellte fest, man würde die Freiheit der Kunst und Kultur viel zu wenig nutzen. Lebendigkeit, kulturelle Teilhabe aber auch die Resonanz im Allgemeinen sollten beim kulturellen Schaffen im Mittelpunkt stehen. „Ich möchte in einer Stadt leben, in der kulturelle Teilhabe als Gesamtkonzept gelebt wird.“ Dazu brauche man Antworten auf kulturelle Sehnsüchte einer heterogenen Gesellschaft.

„Wie wird Wien wieder zu dem kulturellen Biotop, das es einmal war“, fragte Kulturminister Blümel im Rahmen der Diskussion. Schließlich leide die Stadt noch immer an den Folgen der „Amputationen“ der beiden Weltkriege. Erst mit dem Beitritt zur Europäischen Union sei Wien wieder mehr ins Zentrum gerückt und habe damit einen Schritt gemacht, wieder größer denken zu können. Für die Politik gelte es, Rahmenbedingungen zu schaffen. Sowohl das zu fördern, was da ist, als auch das, was erst produziert werden muss. Beides müsse in Einklang gebracht werden. Darüber hinaus brauche es ein „Klima der Toleranz, um die Freiheit der Kunst zu garantieren“. Auch müsse Kultur überall stattfinden können. „Wohlfühlen passiert in Wien schließlich oft im Grätzl, also braucht es eine polyzentrale Stadtentwicklung mit vielen Grätzln, in denen kulturelle Zentren mitwachsen“, so Blümel. Auch Kettner konstatierte, dass die Zentriertheit der Kulturschaffenden auf den inneren Bereich der Stadt stark da sei. Allerdings gebe es einen Trend Richtung Peripherie und Außenbezirke, wie etwa die Brotfabrik im 10. Bezirk zeige. „Wir sind kein großer Flugzeugträger mehr in der Kultur, wir müssen eine schnelle Fregatte sein“, so Kettner. Auch Lilli Hollein plädierte aus Überzeugung für die unterschiedlichen Atmosphären in den Außenbezirken. „Das prägt ein Festival und ermöglicht einen anderen Blick auf ein anderes Wien. Die Besucherzahlen zeigen auch, dass das Publikum folgt, weil es die eigene Stadt immer wieder neu kennenlernt.“

Matthias Naske sieht vor allem in der außergewöhnlichen Rezeptionskultur ein großes Asset der Stadt. „Diese Resonanzfähigkeit des Publikums muss lebendig gehalten werden“, so Naske. Dafür sei es auch notwendig, einen ästhetischen Rahmen zu bilden, so Kulturminister Blümel. „Gerade im Zeitalter der Reproduzierbarkeit ist es wichtig, Kunst zu inszenieren, damit die Aura der Kunst nicht verloren geht“, so Blümel. In Bezug auf das Erreichen neuer Zielgruppen gehe es um neue „Darreichungsformen“, die mit Relevanz einhergehen, so Kettner. Dazu brauche es auch eine neue popkulturelle Relevanz, die gefördert werden müsse. Medienminister Gernot Blümel konstatierte, dass gerade im Medienbereich die Förderinstrumente als Regulatoren weit überholt seien. So werde etwa auf europäischer Ebene an einer Richtlinie gearbeitet, Streaming-Dienste wie etwa Amazon und Netflix zu verpflichten, dass zumindest 30 Prozent der Produktionen einen europäischen Hintergrund haben. 

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