TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: “Touristischer Hilferuf”, Ausgabe vom 4. März 2021 von Mario Zenhäusern.

Innsbruck (OTS) Die Forderung nach stärkerer politischer Unterstützung für die wegen der Corona-Krise taumelnde Tourismusbranche in Tirol kommt zur Unzeit. Das ändert nichts daran, dass sie absolut berechtigt ist.

Auch wenn derzeit nicht viel davon zu spüren ist: Tirol ist ein Tourismusland. Und wird es auch bleiben. Daran wird, auf lange Sicht, auch die Corona-Krise nichts ändern. In Österreich machte der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zuletzt rund 5,6 Prozent aus, in Tirol hingegen 17,5 Prozent – also das Dreifache. Laut Tiroler Landesstatistik betrug die touristische Bruttowertschöpfung Tirols zuletzt 4,5 Milliarden Euro, der Gesamtumsatz belief sich auf 8,4 Milliarden.
Diese Zahlen sind Schnee von gestern. Die Corona-Krise hat eine der bedeutendsten wirtschaftlichen Säulen des Landes ins Wanken gebracht. Was den betroffenen Unternehmerinnen und Unternehmern noch mehr zu schaffen macht als der durch die Pandemie erzwungene monatelange Stillstand, ist die anhaltende Perspektivlosigkeit. Die Wintersaison haben die allermeisten Betriebe schon abgeschrieben. Aber sie wissen noch immer nicht, ob, wie und wann es weitergeht. Über dem Start in die Sommersaison hängt nämlich nach wie vor das Damoklesschwert der Entwicklung der Infektionszahlen und der daraus resultierenden Reisewarnungen. Auch wenn das Vorgehen Deutschlands unverhältnismäßig war und ist: Hält das wichtigste Gäste-Herkunftsland an der faktischen Grenzblockade fest, droht auch der Sommer ins Wasser zu fallen. Die Folgen mag sich niemand ausmalen. Viele Betriebe werden einen weiteren Totalausfall nicht überstehen. Ein Horrorszenario. Im vergangenen Jahr ist in der Beziehung zwischen Tirol und Deutschland viel zu Bruch gegangen. Fehler bei der Bekämpfung der Pandemie und vor allem die bei einigen noch immer fehlende Einsicht, diese Fehler gemacht zu haben, ließen viel an Vertrauen schwinden, das es jetzt zurückzuerobern gilt. Ein äußerst mühsamer Prozess, der nur gelingt, wenn der Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus erfolgreich ist. Und da ist in erster Linie die Politik gefordert.
Krisenzeiten sind in der Regel nicht geeignet, um über personelle oder inhaltliche Veränderungen an der Spitze des Landes zu diskutieren. Deshalb kommt die Forderung der Touristiker nach einem starken Fürsprecher in der Landesregierung, der sich quasi hauptamtlich um Rückenwind für die angeschlagene Branche kümmert, zur Unzeit. Nichtsdestotrotz ist der Hilferuf nachvollziehbar, angesichts der tristen Ausgangslage sogar berechtigt.

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